Projekte

Schichten der Erinnerung. Layers of Memory. Hafızanın Katmanları

Blücherplatz – Dersim Tertelê – Eva-Mamlok-Platz

Der Blücherplatz am Halleschen Tor bündelt zahlreiche historische Erinnerungslinien, die in diesem Projekt miteinander verknüpft werden sollen. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit öffentlichem Gedenken, ortsspezifischer Kunst und den historischen Narrativen in der postmigrantischen Gesellschaft.

Am 4. Mai 2024 wurde am Blücherplatz das Tertelê-Denkmal enthüllt, das an das Massaker von Dersim in den Jahren 1937/38 erinnert. Nun wird der Platz in Eva-Mamlok-Platz umbenannt und damit künftig auch an eine Gruppe junger jüdischer Frauen erinnert, die dort Widerstand gegen den Nationalsozialismus organisierten.

Mit zwei Stadtführungen, zwei Filmvorführungen und Gesprächen sollen diese beiden historischen Narrative aufgenommen und um weitere Erinnerungsstränge rund um den Platz erweitert werden.

Ziel des Projekts ist es, eine Verbindung zwischen den historischen Schichten des Blücherplatzes und dem kollektiven Gedächtnis herzustellen – repräsentiert sowohl durch das Denkmal als auch durch die Umbenennung. Berlin wird dabei als Erinnerungsort verstanden, an dem sich die Geschichten unterschiedlicher Gemeinschaften überschneiden, reiben und neue Kontexte entstehen lassen.

Programm:

23. August 2026: Rundgang am Platz um 16 Uhr, mit Gesprächen im Anschluss

25. August 2026: Film „Hella Hirsch und ihre Freunde“, 19 Uhr. Im Anschluss Podiumsgespräch mit Alexandra Weltz-Rombach (Forschungsnetzwerk Eva Mamlok Gruppe) und Bertram Dudschus von UpStadt e.V. über die Umbenennung vom Blücher- zum Eva-Mamlok-Platz

27. August 2026: Film „Hay Way Zaman“, 19 Uhr. Im Anschluss Podiumsgespräch mit Nezahat Gündoğan

29. August 2026: Rundgang am Platz 16 Uhr, mit gemeinsamem Kochen und Gesprächen im Anschluss

 

Die Filme 

Hella Hirsch und ihre Freunde 
Länge: 35 Min. Land/Jahr: Deutschland, 2007
Sprachfassung: OF Deutsch

Regie, Drehbuch, Montage: Barbara Kasper, Lothar Schuster
Kamera: Dieter Chill
Musik: LefDala
Produktion: Barbara Kasper Filmproduktion, Berlin

„Hella Hirsch und ihre Freunde“ von Barbara Kasper und Lothar Schuster erzählt die Geschichte der Hella Hirsch, einer jungen Jüdin aus Berlin, die 1934, mit 14 Jahren, den Widerstandskreis um Herbert Baum kennenlernte. Es sind junge Menschen, junge jüdische Widerständler aus Berlin, deren Schicksal in der Nazi-Diktatur der Film auf ungewöhnlich eindringliche Weise nahebringt. Sie widersetzten sich den einschränkenden Verordnungen der Nationalsozialisten, indem sie versuchten, weiterhin normal zu leben. Sie veranstalteten Schallplattenabende und machten Gruppenfahrten ins Umland, obwohl Juden dies per Gesetz untersagt war.

Hay Way Zaman 
Länge: 80 Min. | Land/Jahr: 2013
Sprachfassung: OF mit Untertiteln

Regie: Nezahat Gündoğan
Produktion: Kazım Gündoğan, Miraz Production

Emoş Gülver ist eines der „verlorenen Mädchen“ von Dersim, die beim Massaker 1937/38 als Kleinkind gewaltsam von ihrer Familie, Sprache und Kultur getrennt wurden. 74 Jahre später begibt sie sich gemeinsam mit ihrer Tochter Serpil auf eine emotionale Reise zurück zu ihren Wurzeln.

„Hay Way Zaman“ dokumentiert nicht nur die unerwartete, bewegende Wiederbegegnung mit überlebenden Verwandten, sondern lässt durch Parallelmontagen auch hochbetagte Zeitzeugen und damals beteiligte Soldaten zu Wort kommen. Ein eindringlicher Film über die Suche nach Identität, das Trauma des Vergessens und eine filmische Totenklage auf die Vergangenheit.

Dank an die Dersim Kulturgemeinde Berlin e.V.

Dank an das TAM Museum mit Müge Avar und Dr. Gülşah Stapel für ihre Unterstützung

Dank an Jutta Faehndrich, Miriam Visaczki, Miklas Weber, Silke Struck, Markus Gryglewski, Anna Hájková und Jasmin Lörchner für die Recherche zu Gruppe Eva Mamlok.